Gill Schlesinger

 (*1931 in Aussig, Ústí nad Labem)

Gil Schlesinger lebte von 1948 an in Israel. Er arbeitete in verschiedenen Berufen und hatte Kontakt mit Intellektuellen und Malern (u. a. Jehuda Bacon). 1955 übersiedelte er in die ehemalige DDR. Von 1960 bis 1962 besuchte er die Fachschule für angewandte Kunst (Lehrer Kurt Hölzer und Gerhard Eichhorn) mit Abschluss in Theatermalerei. Bis 1967 hatte er Anstellungen als Theatermaler in Anklam, Dessau, Meiningen und Leipzig. 1967 erfolgte seine Aufnahme in den Verband Bildender Künstler der DDR. Seitdem arbeitet er freischaffend in Leipzig.

1980 erfolgte sein Umzug nach München. Er wurde dort 1985 Mitglied des Bundes Bildender Künstler/München und Oberbayern. Seit 1992 ist er Ehrenmitglied des Bundes Bildender Künstler in Leipzig, seit 1994 Mitglied der Freie Akademie der Künste zu Leipzig. 1999 erfolgte sein Umzug nach Pfaffenhofen an der Ilm.

Werk und Wirkung

Die Arbeiten Gil Schlesingers entwickelten sich aus Quellen der klassischen Moderne. Er brachte die Freiheiten der Abstraktion in das von dogmatischer Strenge bestimmte Kunstbild der 1960er und 1970er Jahre nach Leipzig. Seine lyrischen und oft stark farbigen Bilder, Zeichnungen, Grafiken und Collagen hatten einen prägenden Einfluss auf junge, suchende, die einseitige Kunstauffassung der DDR ablehnende Autodidakten wie Studierende der Leipziger Kunsthochschule. Berliner, Rostocker, Erfurter und Chemnitzer Künstler suchten seine Nähe. Mit unkonventionellen Materialien, wie ungrundierter Sackleinwand, gebrauchtem Seidenpapier, Collagen aus Fundstücken, regte er an und forderte gleichzeitig zu Auseinandersetzung heraus. Seine geistige Freiheit erlaubte ihm Offenheit und Mut auch in politischer Hinsicht. So wurde er zu einer Art „Vaterfigur“ in der alternativen Leipziger Kunstszene. Diese Wirkung klang noch nach, als er die DDR längst verlassen hatte: Künstler des „1. Leipziger Herbstsalon 1984“ hatten zu seinem Kreis gezählt.

Seit 1980 entstanden umfangreiche Zyklen (u. a. Arabischer Zyklus, Göttliche Komödie, Posaunenbilder, Brandenburger Tore). Metaphern zur Geschichte manifestierten sich in mit Asche und Erde realisierten Großformaten.

Das von Anbeginn seiner künstlerischen Arbeit entstandene grafische Werk beinhaltet eine große Zahl von Zeichnungen, handgedruckten Holzschnitten und Siebdrucken.